In Bernhard Cellas künstlerischer Praxis wird das Ordnen selbst zur ästhetischen Handlung. Die rund 30.000 Publikationen seiner Sammlung, die er zwischen 2007 und 2019 in seinem Atelier zusammengetragen hat, bilden kein Archiv im klassischen Sinn, sondern das Material eines offenen Verfahrens, das Relationen erzeugt, Übergänge sichtbar macht und das Archiv als bewegliche Figur begreift. Aus diesem Verständnis heraus entwickelte er Inventory: eine Buchinstallation, die die Sammlung nicht zeigt, sondern neu strukturiert. Alle Titel dieser Jahre, mitsamt ihren bibliografischen Angaben, werden in eine durchgehende Sequenz von Farbstimmungen überführt, die sich über 520 Seiten erstreckt. Sichtbar wird ein chromatischer Verlauf, der Beziehungen erzeugt, ohne inhaltliche Kategorien vorauszusetzen. Dem gegenüber steht Addendum, eine Serie von sieben Grafitzeichnungen. Sie greift sprachliche Fehler und Abweichungen aus dem Prozess des Publizierens auf und führt sie in eine präzisierte Form über. Die Arbeiten machen Korrektur als ästhetische Handlung sichtbar und beziehen sich punktuell auf Setzungen aus Inventory. In einer dritten Arbeit mit dem Titel Manquants rückt Cella jene Bücher in den Blick, die aus der Sammlung verschwunden sind. Die in Jacquardtechnik gewebten Tapisserien markieren das Fehlen der ursprünglichen Publikationen und übertragen deren Abwesenheit in ein neues materielles Format. Die Arbeit thematisiert Verlust, Aneignung und die Frage, welche Formen ein Archiv annimmt, wenn seine Lücken sichtbar werden und in ein anderes Medium übersetzt sind.
Bernhard Cella studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Erich Wonder und an der HFBK Hamburg bei Franz Erhard Walther. Zuletzt zeigte er seine Arbeiten im Warburg Institute London (2025), im Kolumba Köln (2025) und im MAK Wien (2025). Er lebt und arbeitet in Wien und Triest.