“Auditive Poesie” nennt Rühm jene seiner poetischen Werke, bei denen der Klang der Sprache und die Art der Artikulation bewusst gestaltet und integrale Bestandteile des Textes sind. “Sprechtexte” sind speziell für die direkte mündliche Aufführung gedacht und sie müssen über den bewusst gestalteten Sprachklang hinaus eine Botschaft vermitteln, die erst durch das Hören des Textes wahrnehmbar wird – hier eine “Botschaft an die Zukunft”. Von der Betonung jedes einzelnen Wortes dieser “Botschaft” an die späteren Generationen ist es ein kurzer Weg zur reinen Lautdichtung, die in Rühms “Sprechtexten” immer wieder vorkommt und ein Extrem der “auditiven Poesie” darstellt: in diesem Fall wird die Botschaft – eine Warnung vor Atommüll – in getrommelte Morsezeichen überführt.
Gerhard Rühm arbeitet als Schriftsteller, Komponist und bildender Künstler und lehrte von 1972 bis 1995 als Professor an der HFBK Hamburg. Er wurde unter anderem durch die Gründung der “Wiener Gruppe” 1954 bekannt. Seine Arbeit, die im Grenzbereich von Musik, Sprache, Gestik und Visuellem angesiedelt ist, wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Er war zweimal auf der Documenta sowie der Venedig Biennale (1997) vertreten.